Naturheilpraxis
Sieglinde Küßner

Die Weg­war­te


Licht­blaue Hei­ter­keit – so emp­fin­den wir die Weg­war­te, die sich im Som­mer und Spät­som­mer an den Wegesrän­dern zeigt. Ihre strah­len­de Blü­ten­far­be erfreut unse­re See­le und macht uns fröhlich.

Blaue Blu­men wur­den bereits von unse­ren Vor­fah­ren zur Hei­lung von Schwer­mut und Melan­cho­lie ver­wen­det und die India­ner Nord­ame­ri­kas sagen noch heu­te: „Der Weg des Her­zens und der See­le ist blau – wie eine blaue Blu­me.“ Sie gal­ten aber auch als Heil­mit­tel für die Augen, den tiefs­ten Spie­geln der See­le, da sie bereits über das Anschau­en wir­ken und unser Gemüt zum Strah­len bringen.

Im Gegen­satz zu den wun­der­schö­nen blau­en Blü­ten kom­men Stän­gel und Blät­ter recht tro­cken und strup­pig daher. Sobald sich aber das ers­te Licht des Tages (zwi­schen 4:00 und 5:00 Uhr) zeigt, öff­nen sich die Blü­ten; nicht umsonst ist die Weg­war­te die ers­te Blu­me in Carl von Lin­nés Blu­men­uhr. Bis zu 2.000 Blü­ten erstrah­len an einer Pflan­ze – das erklärt, war­um die Weg­war­te den gan­zen Som­mer hin­durch so prä­sent ist.

Blät­ter und Stän­gel sind durch­drun­gen von aro­ma­ti­schen Bit­ter­stof­fen, aber auch von Inu­lin, Eisen, Alu­mi­ni­um, Anthro­cya­nin, Cho­lin, Phos­phor, Kali­um,  Rutin u.a.

Die Weg­war­te ist eine der weni­gen Heil­pflan­zen, die die Funk­ti­on der Milz stärkt und somit bei Melan­cho­lie zur Rei­ni­gung der See­le und des Kör­pers ein­ge­setzt wird. Sie stärkt Leber, Gal­le und die Bla­se, hilft bei Stau­un­gen im Pfort­ader­be­reich, bei Hepa­ti­tis, Mor­bus Crohn, Coli­tis ulce­ro­sa und bei Haut­krank­hei­ten und Ekzemen.

Leber-Gal­le-Milz-Tee:

50 g     Weg­war­te­wur­zeln (Radix Cichorii)

30 g     Löwen­zahn­wur­zeln (Radix Taraxaci)

30 g     Mari­en­dis­tel­sa­men (Fruc­tus Car­cui Mariae)

In der Küche ken­nen unse­re Groß­el­tern noch den Zicho­ri­en­kaf­fee aus den Wur­zeln der Weg­war­te. Die Wur­zel kann man aber auch wäs­sern, düns­ten und mit einer fei­nen Soße ser­vie­ren. Aus der Weg­war­te wur­de z.B. Chi­co­ree, Zucker­hut­sa­lat und Radic­chio gezüch­tet. Die Blät­ter und das Gemü­se sind sehr gute Diät­ge­mü­se für Zucker­kran­ke, da sie sehr viel Inu­lin ent­hal­ten. Die Blät­ter gedüns­tet wer­den sehr gut bei Durch­fall­erkran­kun­gen und ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen ver­tra­gen, denn sie hel­fen auf mil­de Wei­se, die Verdauun

g zu kräf­ti­gen und neu zu ordnen.

10.08.2022

Quel­len­an­ga­be:

www.biolib.de,

Mar­kus Som­mer: „Heil­pflan­zen – ihr Wesen, ihre Wir­kung, ihre Anwendung“

Susan­ne Fischer-Riz­zi: „Medi­zin der Erde“



Fotos der Weg­war­te von pixabay.de

Der Löwen­zahn

„Son­nen­wir­bel“ ist einer von etwa 500 ver­schie­de­nen Bezeich­nun­gen für eine Pflan­ze, die uns nach dem lan­gen Win­ter wie­der erfreut – für den Löwen­zahn, meint man doch, dass tau­send Son­nen auf die Früh­lings­wie­se gefal­len sind, wenn die Pflan­ze blüht.
Jetzt, im Früh­ling, erscheint zunächst eine Roset­te lan­zett­li­cher, am Rand gezähn­ter Blät­ter, aus wel­cher ein 10 – 30 cm hoher, hoh­ler Stän­gel ent­springt. Wie ein Körb­chen trägt er an der Spit­ze sei­ne gold­gel­be Blü­te. Die­ses Körb­chen ist gefüllt mit gel­ben Zun­gen­blü­ten. Nach einer kur­zen Zeit der Blü­te ent­ste­hen die Früch­te, die „Pus­te­blu­me“ — unend­lich zar­te Kugeln aus sil­ber­nen Ster­nen.
Alle Pflan­zen­tei­le sind heil­kräf­tig. Sie ent­hal­ten Inhalts­stof­fe, die unse­rem Kör­per gut­tun: Bit­ter­stof­fe, Inu­lin, Tara­xin, Cho­lin, Kal­zi­um, Natri­um, Kie­sel­säu­re, Schwe­fel und Kali­um.
Die Wur­zel ent­hält im Früh­ling die meis­ten Bit­ter­stof­fe und im Herbst das meis­te Inu­lin.
Die Bit­ter­stof­fe die­nen der Sti­mu­la­ti­on und Stär­kung der Leber, sie wir­ken appe­tit­an­re­gend und ver­dau­ungs­för­dernd. Sie regen die Pro­duk­ti­on von Gal­le in der Leber an und för­dern den Abfluss der Gal­le aus der Leber. Als Diät- und Heil­pflan­ze für Dia­be­ti­ker beein­flusst der hohe Inu­lin­ge­halt den Zucker­stoff­wech­sel.
Doch auch die Nie­re wird ange­regt, harn­pflich­ti­ge Stof­fe aus­zu­schei­den. Löwen­zahn wirkt ent­wäs­sernd und hilft somit bei rheu­ma­ti­schen und arthri­ti­schen Erkran­kun­gen. Im Früh­jahr belebt sei­ne blut­rei­ni­gen­de Kraft unse­ren Kör­per.
Wir kön­nen den Löwen­zahn als Tee oder fri­schen Saft ver­wen­den, die Blät­ter als fei­nen, leicht bit­ter schme­cken­den, appe­tit­an­re­gen­den Salat, die Wur­zeln als Wur­zel­tee oder als Tink­tur. Die Blü­ten erge­ben einen fei­nen „Löwen­zahn­ho­nig“ und die Blü­ten­knos­pen wer­den wie Kapern verwendet.

Quel­len­an­ga­be:
www.biolib.de
Mar­kus Som­mer: „Heil­pflan­zen – ihr Wesen, ihre Wir­kung, ihre Anwen­dung“
Susan­ne Fischer-Riz­zi: „Medi­zin der Erde“

Breit- und Spitzwegerich

Eine durch und durch freund­li­che Pflan­ze begeg­net uns im Wege­rich. Selbst Kin­der erken­nen die Wege­rich-Brü­der:
- den Spitz­we­ge­rich an sei­nen schma­len, gra­zil und gestrafft nach oben wach­sen­den, lan­zett­för­mi­gen Blät­tern, die von fast par­al­le­len Adern durch­zo­gen sind,
- den Breit­we­ge­rich an sei­nen brei­ten, eiför­mi­gen Blät­tern, die ganz ent­spannt, oft etwas zer­zaust, am Boden lie­gen. Sei­ne Form erin­nert an eine mensch­li­che Fuß­soh­le.
Die Blät­ter des Wege­rich ent­sprin­gen einem Punkt und bil­den eine grund­stän­di­ge Roset­te. Der Blü­ten­stän­gel erhebt sich aus der Mit­te der Roset­te und die wal­zen­för­mi­ge Ähre wippt beim Spitz­we­ge­rich lus­tig hin und her. Beim Breit­we­ge­rich bil­den die Blü­ten eine kur­ze kol­ben­ar­ti­ge Ähre.
In ver­gan­ge­nen Zei­ten galt der Wege­rich als All­heil­mit­tel und es lohnt sich, wenn wir uns inten­siv mit den bei­den Pflan­zen befassen: 

Breit­we­ge­rich:
Der Name sagt es schon: Es ist ein Leich­tes, den Breit­we­ge­rich am Ran­de der Wege zu erken­nen, denn er ist ein wun­der­ba­res „Ers­te-Hil­fe-Kraut“ bei Insek­ten­sti­chen, ober­fläch­li­chen Wun­den oder bei müden und wund­ge­lau­fe­nen Füßen. Die gesäu­ber­ten Blät­ter wer­den zer­quetscht oder zu einem Brei zer­kaut und anschlie­ßend auf die betrof­fe­ne Haut­stel­le gelegt. Inner­halb kur­zer Zeit tritt Lin­de­rung ein. Schon Para­cel­sus sag­te: „Es gibt kei­ne Pflan­ze, die mehr aus­trock­net und zugleich fes­tigt als Plant­a­go major (= Breit­we­ge­rich) …“
Die ent­zün­dungs­hem­men­den Eigen­schaf­ten wer­den durch den hohen Gehalt an Schleim ergänzt, der sich schüt­zend und lin­dernd auf unse­re Schleim­häu­te oder auf Wun­den legt.
Übri­gens ist der meis­te Schleim in den Samen­scha­len ent­hal­ten – jeder kennt den indi­schen Wege­rich als Floh­sa­men, der bei Magen- / Darm­be­schwer­den ein­ge­setzt wird.

Spitz­we­ge­rich:
Auch er ist ein her­vor­ra­gen­des Kraut bei Wun­den und Insek­ten­sti­chen. Aber er hat noch ande­re Fähig­kei­ten, denn er ist eine Lun­gen­heil­pflan­ze. Die Blät­ter ent­hal­ten eine beson­de­re Kom­bi­na­ti­on von Heil­stof­fen, die in ver­schie­de­ner Hin­sicht auf die Lun­ge wir­ken: So fes­tigt die Kie­sel­säu­re das Lun­gen­ge­we­be, die Schleim- und Gerb­stof­fe schüt­zen und fes­ti­gen die Schleim­häu­te und die anti­bak­te­ri­el­len Stof­fe wir­ken gegen schäd­li­che Bak­te­ri­en.
In der Küche ist der Spitz­we­ge­rich mit sei­nem fei­nen Pil­za­ro­ma ein rich­ti­ges Mul­ti­ta­lent. Er eig­net sich als Wild­ge­mü­se, in Sala­ten, im Kräu­ter­quark, in Sup­pen und gemixt in Geträn­ken. Die Knos­pen in But­ter gebra­ten sind eine schmack­haf­te Alter­na­ti­ve zu gebra­te­nen Champignons.

Quel­len­an­ga­be:
www.biolib.de
Dr. Rai­ner Schunk: „Heil­kraft aus Heil­pflan­zen“
Susan­ne Fischer-Riz­zi: „Medi­zin der Erde“ 

Breit­we­ge­rich

Spitz­we­ge­rich

Spitz­weg­eich

Pflan­zen­werk­statt Gabi Nießen
Fach­be­ra­te­rin für ess­ba­re Wild­pflan­zen (HfWU)Natur-/Pflan­zen­füh­run­gen – Workshops
74864 Fah­ren­bach
Wagen­schwen­der­str. 24
Tel.: 06267/928376, e‑Mail: gabi.niessen@web.de